Warum klappt auf der Range alles und im Turnier plötzlich nichts mehr? In dieser Folge spricht Fabian Bünker mit Mentalcoach Justin Walsh darüber, wie du dein Spiel vom Übungsbereich auf den Platz bringst. Es geht darum, warum es keine Sportart „Turniergolf“ gibt und wie du dir für jede Runde den richtigen Fokus setzt. Du erfährst, welche Schwunggedanken auch unter Druck funktionieren und wie kleine Routinen dir durch die ganze Runde helfen. Außerdem zeigt Justin, wie du deine Zeit auf der Range so nutzt, dass sie dich wirklich auf echte Turniersituationen vorbereitet.

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    Transkript zur Folge: 

    Fabian Bünker: Wie bringe ich mein Spiel auf den Golfplatz? Sprich: Wie schaffe ich es, das, was ich auf der Range oder im Übungsbereich trainiert habe und was dort meistens auch sehr gut klappt, auf den Platz zu übertragen? Und wie sorge ich dafür, dass mein Training auch zu einem für mich guten Ergebnis führt – das ist ja immer ganz individuell.

    Darüber möchte ich heute in der neuen Podcastfolge mit Justin Walsh sprechen, einem der erfolgreichsten Mentaltrainer im deutschsprachigen Raum. Ich freue mich sehr auf diesen Akademie-Talk mit dir, lieber Justin. Vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst. Vielleicht starten wir ganz kurz damit: Wer kennt Justin Walsh noch nicht? Es sind natürlich nur ganz wenige, aber für die zwei, drei, die nicht wissen, wer du bist: Wer bist du, was machst du? Neben dem, dass du Liverpool-Fan bist.

    Justin Walsh: Stimmt, das ist natürlich erst mal die Priorität, das als Nummer eins zu sagen. Vielen Dank, Fabian, ich freue mich, dabei zu sein und jetzt ein spannendes, interessantes Gespräch mit dir zu führen. Ich bin seit vielen Jahren hier in München, seit 1999 oder 2000 ungefähr. Meine Basis ist der Golfclub Schloss Egmating. Dort mache ich mein Coaching. Ich habe einen Raum an der Range, was sehr praktisch ist, und kann die Range und den Golfplatz nutzen, um dort zu trainieren und zu spielen – ein Platz mit guter Qualität. Das ist meine Basis. Ansonsten bin ich viel unterwegs mit den Nationalkadern, Mädchen und Damen. Und auch dieses Jahr war ich wieder beim Final Four dabei, mit den Damen des Hamburger Golf-Clubs.

    Fabian Bünker: Du betreust also nicht nur Hobbygolfer und die ambitionierten Golfer unter den Amateuren, sondern auch Leistungsspielerinnen und -spieler im DGV-Kader. Und wie man ein bisschen heraushört, kommst du nicht ursprünglich aus Bayern, sondern von der Golfinsel überhaupt, den Britischen Inseln. Aber lass uns reinstarten. Du bist bei uns in der Akademie auch als Mentalcoach tätig.

    Ich habe es im Intro schon angedeutet: Wir wollen darüber sprechen, was ich auf der mentalen Seite tun kann, um das, was im Trainingsbereich meistens ganz gut klappt – seien es Schwungumstellungen oder einzelne Schläge –, auch auf den Platz zu bringen. Diese Frage wird mir und dir sicherlich auch immer wieder gestellt: „Auf der Range klappt das ganz gut. Auch wenn ich eine lockere Privatrunde spiele. Und dann kommt ein Turnier und alles ist ganz anders.“

    Lass uns das im ersten Schritt ein bisschen aufbauen. Danach sprechen wir darüber, wie ich mein Training platznäher gestalten kann. Aber erst mal zum Golfplatz und zur Golfrunde an sich: Wenn dich jemand fragt: „Ich habe wieder ein Turnier gespielt und das mit dem Schwung klappt nicht“ – du kennst die ganzen Themen, die da kommen –, was wäre dein Rat, um von oben herab, quasi top-down, einzusteigen? Welchen Fokus sollte ich setzen?

    Ich unterteile bei mir in der Akademie immer drei Arten von Runden: Turnier beziehungsweise Wettkampf, dann Trainingsrunden und dann noch das, was die Schweizer die Plauschrunde nennen – die Social Round, die gesellschaftliche Runde. Ich definiere es so: Im Wettkampf kommt es darauf an, möglichst wenige Schläge zu spielen. In der Trainingsrunde schaue ich, ob ein paar Dinge klappen, die ich im Training umgestellt habe – Schwung, kurzes Spiel, verschiedene Schläge. Und bei einer Social Round habe ich einfach eine nette Zeit, danach wird auf der Terrasse noch etwas gegessen oder getrunken, und man hatte einfach einen guten Tag. So versuche ich das zu unterscheiden. Was ist deine Herangehensweise? Wie sollte ich mir den Fokus für eine Runde setzen, um meine Leistung abrufen zu können?

    Justin Walsh: Gute Frage, Fabian. Ich glaube, es gibt viele Elemente und viele Richtungen, in die wir da gehen können. Übrigens: Donnerstagabends ist der Live-Call in der Akademie, wo wir eine schöne Community haben. Einige sind schon gefühlt ewig dabei, und zwar regelmäßig. Es ist ein super Austausch mit Fragen, wir präsentieren wichtige mentale Themen, und das ist wirklich eine schöne Sache, von der viele profitieren – auch ich durch das Feedback der anderen, die dabei sind. Eine schöne Zusammenarbeit, kann man sagen.

    Fabian Bünker: Das kann ich nur so zurückgeben. Es macht sehr viel Spaß mit dir, gerade auch im Live-Call.

    Justin Walsh: Das ist schön. Zurück zur Frage: Es ist gut, dass du diese drei verschiedenen Elemente – Turnier, Training und Social – in die Akademie reinbringst. Da muss man schauen, wo man als einzelner Golfer steht. Bin ich eher in der Turnierrichtung, eher in der Trainingsrichtung auf dem Platz oder eher in der sozialen Richtung? Was tut mir gut, was nicht? Denn eigentlich hat jede Runde von allem ein bisschen, würde ich sagen. Wenn du eine Turnierrunde spielst, profitieren viele – nicht jeder, aber viele – davon, wenn das soziale Element dabei ist. Wenn du ein Turnier spielst, wäre es schön, wenn du die eine oder andere Kleinigkeit, die du gelernt hast, umsetzen könntest. Das wäre schon mal sinnvoll. Und obendrauf macht die Competition Spaß. Also: Love the challenge, love the competition. Liebe diese Herausforderung, die dir das Turnier gibt, und genieße die Gefühle, die dir die Turniersituation gibt.

    Insofern würde ich sagen: Man kann von allem einen Teil dabeihaben, und das ist oft eine gesunde Mischung. Vielleicht geht es damit schon in Richtung eines optimalen Erlebnisses auf dem Golfplatz. Wenn das soziale Element da ist und das Umfeld mit den anderen für einen sehr gut ist und Spaß macht, wenn ich die eine oder andere Kleinigkeit umsetzen kann und wenn ich das Turnierelement habe, das etwas mit mir macht – die Nervosität, die Gefühle, diese Energie, diese Spannung, das macht irgendwie Spaß –, dann führt das mit etwas höherer Wahrscheinlichkeit zu einem optimalen Erlebnis. Solange die Herausforderung zu den eigenen Fähigkeiten passt.

    Das wäre meine erste Überlegung zu den drei Stufen. Manchmal hat man Phasen, in denen man stärker in der Technik steckt. Dann ist es wichtig, herauszufiltern, welche Dinge wichtig sind, die ich auf den Platz mitnehmen kann und die dort auch umsetzbar sind – und dass es nicht zu viel ist. Ein, zwei Fokuspunkte, die man umsetzen kann, und dann schaut man, wie gut man das Schlag für Schlag auf dem Golfplatz schafft.

    Ich würde sagen, der Golfplatz bietet so viele Möglichkeiten, wie man ihn nutzen kann. Und das beginnt mit der Frage: Was macht mir meistens Spaß? Was unterstützt meine Lust auf den Golfplatz, sodass ich es wirklich genießen kann, Bock habe und es innerlich etwas in mir bewegt? Was ist das genau, und wie kann ich das öfter in meine Planung einbauen, wie ich Golf spiele? Ob das mit der Art des Turniers zu tun hat, mit dem Golfplatz – fremde Plätze oder der Heimatplatz –, mit der Zeit, zu der man spielt, oder mit dem Spiel, das man innerhalb des Spiels spielt. Wie nutze ich das auf dem Golfplatz? Es gibt verschiedene Arten, Golf zu spielen, und es geht nicht nur um Birdie und Bogey.

    Fabian Bünker: Auf jeden Fall. Trotzdem ist bei den Ambitionierten, die wir bei uns im Coaching haben – du hast es gerade angesprochen, die haben einmal in der Woche den Live-Call mit dir –, neben den mentalen Inhalten, die wir natürlich angehen, immer die Frage: Wie schaffe ich es, im Turnier meine Leistung zu bringen? Wie transportiere ich das, was ich in einer Privatrunde spiele oder auf der Range an Schlägen möglich ist, ins Turnier?

    Du sagst immer so schön: Es gibt keine Sportart „Turniergolf“. Es ist immer nur „just a round of golf“. „Another walk in the park“, hat auch mal jemand gesagt, wenn man es ganz philosophisch von oben betrachtet. Wenn der liebe Gott uns sieht, dann sieht er uns immer nur Golf spielen. Er sieht nicht, ob das jetzt ein Turnier ist, die Clubmeisterschaft, das Final Four, Dienstagsdamen oder Mittwochsherren. Er sieht einfach, dass wir Golf spielen. Und trotzdem steckt ja eine Bedeutung dahinter, sonst würde ja keiner ein Turnier spielen. Bei uns Golfern ist es vielleicht das Handicap, der eine will sich unterspielen, der andere will sich für etwas qualifizieren. Hinter jedem Turnier stehen verschiedene Bedeutungen.

    Aber die Frage ist immer ganz konkret: Wie schaffe ich es, die Leistung, die ich vermeintlich in einer Privatrunde ohne Turnierdruck bringe, ins Turnier hinüberzuretten oder zumindest daran anzuknüpfen? Das bewegt viele. Du hast gerade schon etwas vom Fokus und vom Spiel innerhalb des Spiels erzählt. Was sind Mittel und Wege, um das, was ja jeder irgendwo kann, häufiger abzurufen oder näher heranzukommen?

    Justin Walsh: Soll ich das eher auf Privatrunde und Turnier beziehen oder eher auf die Übertragung von der Driving Range auf den Golfplatz?

    Fabian Bünker: Lass uns im ersten Teil bei den Runden bleiben, weil viele viel spielen. Und im zweiten Teil gehen wir noch mal darauf ein, was ich im Training tun kann, um im Turnier zu performen und die Leistung häufiger abzurufen. Wenn das so zweigeteilt möglich ist.

    Justin Walsh: Ja, okay. Wenn wir mit den Runden beginnen – also normalen Runden und Turnierrunden –, dann ist es meiner Meinung nach erst mal ganz wichtig, sie als gleich zu sehen. Im Sinne von: Man spielt kein Turnier, man spielt Golf. Es gibt keine Sportart, die Clubmeisterschaft heißt. Es gibt eine Sportart, die heißt Golf, und das ist das, was man spielt. Golf zu spielen braucht die gleichen Zutaten und die gleiche Vorgehensweise, Schritt für Schritt – ob das eine Runde am Donnerstag ist oder eine Runde am Samstag in einem Turnierumfeld. Es ändert sich nichts an dem, was man braucht, um einen Ball von A nach B und ins Loch zu bringen.

    Dann ist es sehr wichtig, das so einzuordnen und sich von Dingen zu lösen, die gar nichts mit der Aufgabe zu tun haben. Das wieder zurückzuführen auf: Was ist Golf für mich? Was brauche ich, um gerade jetzt mein Golf zu spielen? Was tut mir gut? Worauf kann ich mich konzentrieren, das den besten Golfer in mir auf dem Platz unterstützt? Und was kann ich Schritt für Schritt tun, das mir die beste Chance gibt, meine Leistung herauszubringen?

    Das passiert in normalen Runden oft ein bisschen natürlicher und in Turnierrunden vielleicht nicht so natürlich, weil wir diesen extra Rucksack dabeihaben: mit Ergebniswünschen, mit Erwartungen, mit „Was denken die anderen über mich?“, mit „Hoffentlich geht es heute nicht schief, weil man das in der Ergebnisliste sieht – im Clubhaus, online oder wo auch immer.“ Und plötzlich hat das Endergebnis für viele Leute mehr Bedeutung.

    Stell dir vor, wir gehen am Anfang des Jahres in eine Golfmitgliedschaft und holen unsere Mitgliedskarte im Sekretariat ab. Und auf dieser Mitgliedskarte steht: „Du wirst dieses Jahr Phasen haben, in denen es ordentlich läuft, und Phasen, in denen es gar nicht läuft. Du wirst Ergebnisse haben, die okay oder vielleicht etwas besser sind, und Ergebnisse, die gar nicht gut sind.“

    Fabian Bünker: Das wäre spannend. Das könnte man mit Dynamic Pricing kombinieren, wie es mittlerweile bei Ticketverkäufen läuft. Wenn es bei dir besser läuft, wird es teurer – oder umgekehrt.

    Justin Walsh: Das ist interessant. Vielleicht eine neue Strategie, die man den Golfclubs verkaufen kann.

    Fabian Bünker: Da können wir von der FIFA lernen, genau. Je schlechter du spielst, desto teurer wird es. Das wäre spannend.

    Justin Walsh: Stimmt. Auf jeden Fall stehen auf dieser Mitgliedskarte diese ganz unterschiedlichen Ergebnisse. Und das ist Golf. Das ist der Sport, den wir spielen. Entweder nimmt man diese Mitgliedskarte und sagt: „Okay, ich bin all-in, ich verstehe das und bin dabei in diesem Sport.“ Oder man ist in diesem Sport nicht dabei. Dazwischen gibt es nichts. Es gibt nichts, was man von mir oder von dir lernen kann, das einen vor unerwünschten Ergebnissen schützt, weil das zum Sport gehört. Das ist ein Teil des Sports, in dem wir dabei sind.

    Fabian Bünker: Wenn ich da kurz einhaken darf, das ist ganz spannend, was du sagst. Das wäre sozusagen der erste, völlig übergeordnete Schritt: erst mal zu verstehen, it's just a game. Wir spielen ein Spiel. Da dürfen wir wieder Kinder sein. Wir arbeiten nicht Golf und wir trainieren nicht nur, sondern wir spielen Golf. Das ist Nummer eins. Und da spielt mit hinein, was du sagst: Es gibt keine Sportart Turniergolf, Final-Four-Golf, DGL-Golf, Dienstagsdamen-, Mittwochsherren- oder Afterwork-Golf, sondern es gibt einfach nur Golf – in unterschiedlichen Formaten natürlich. Das ist sozusagen Nummer eins, philosophisch von oben betrachtet.

    Im zweiten Schritt – und da bin ich am Anfang schon ein bisschen reingegangen – frage ich immer, wenn mir diese Frage gestellt wird: Mit welchem Fokus hast du diese Runde gespielt? Und ganz oft kommt – das ist ja auch ein Teil deiner Philosophie –: „Ich habe ein Turnier gespielt, aber mein Driver hat nicht funktioniert, und dann habe ich noch mal geschaut: mehr von innen, mehr drehen …“ – und was weiß ich, was alles kommt. Dabei wird aus meiner Sicht völlig vergessen: Wenn du ein Turnier spielst, musst du eigentlich schauen, dass du das, was du jetzt hast, reinbringst. Wenn der Driver heute nicht läuft, dann läuft er eben nicht. Wenn der Ball ein bisschen nach rechts dreht, dann dreht er ein bisschen nach rechts, und dann musst du damit umgehen. Und nicht anfangen, an irgendwelchen anderen Dingen herumzuwerkeln, die dem Score am Ende des Tages nicht helfen.

    Das ist natürlich total komplex, weil ich den Ball vielleicht besser treffe, wenn ich wieder besser schwinge, und dann besser score. In diese Richtung würde ich gern noch mal gehen, weil ich das immer wieder merke. Wenn erst mal verstanden ist: „It's just a game“, heute ist wieder eine Runde Golf, ob Turnier oder nicht – dann kann ich trotzdem schauen, welchen Fokus ich reinbringe. Spiele ich heute eine Runde, in der ich wirklich versuche, mit dem, was ich habe, möglichst wenige Schläge zu brauchen? Das wäre für mich ein Turnier. Oder schaue ich: „Hey, ich habe mit Fabian am Schwung gearbeitet, klappt das jetzt besser?“ Oder: „Ich habe mit Justin eine neue Routine trainiert, die möchte ich jetzt mal draußen auf dem Platz ausprobieren.“ Würdest du den Leuten empfehlen, noch stärker zu trennen, ob sie sich auf ihre Strategie und ihre mentale Stärke fokussieren oder auf ihren Schwung? Weil ich glaube, dass das am Ende des Tages immer wieder viel zu stark durcheinandergebracht wird.

    Justin Walsh: Ja, das glaube ich auch. Ich glaube, viele können sich in dieser Frage und in dieser Situation wiederfinden. Ich bin eher der Meinung, dass der technische Teil natürlich super wichtig ist. Wenn man auf die Driving Range geht, muss man wissen: Was mache ich jetzt? Was ist mein Ziel auf der Range? Was will ich mit der Zeit anfangen, die ich gerade habe? Und wenn ein gewisser Teil dieser Zeit dafür da ist, technische Dinge zu entwickeln, dann sollte ich das in diesem Zeitraum tun. Wie viel das ist, kann ich selbst einordnen.

    Aber selbst in dieser Trainingsphase sollte es meiner Meinung nach immer auch eine Phase geben, in der man in Richtung Performance geht. Es ist also nie ganz getrennt im Sinne von: „Die nächsten paar Wochen oder Tage mache ich nur Techniktraining.“ Sondern: Ja, ich mache das, weil es wichtig ist und ich ein paar Dinge verbessern will. Aber es kommt immer noch eine Phase dazu, in der ich schaue, wie ich mit dem, was ich trainiere, performen kann. Das, was ich gelernt und trainiert habe, und die Hinweise, die ich von dir bekommen habe, Fabian – damit habe ich jetzt ein bisschen trainiert, und jetzt performe ich damit. Wie ist es, damit zu performen, wenn ich einen Ball auf eine Fahne schlage und der nächste gleich anders ist? So bin ich immer bereit, auf den Platz zu gehen und zu performen, auch wenn ich in einer Phase bin, in der ich etwas ändere und verbessere.

    Und so sehe ich auch den Golfplatz. Ich kann dort ein paar Dinge versuchen umzusetzen, denn die ganze Welt ist ein Golfplatz, und ich will auch meine verbesserten Bewegungen und das, was ich gelernt habe, dort trainieren, verknüpfen und anwenden. Ich habe zum Beispiel von dir ein neues Setup beim Pitchen gelernt und muss am Ende des Pitches eine bestimmte Finish-Position erreichen. Dann richte ich meine Aufmerksamkeit auf dieses Setup und diese Finish-Position beim Pitch, und das will ich auf dem Platz genauso tun. Das kann man umsetzen, und das ist immer noch eine gesunde Art von Fokus und Aufmerksamkeit. Es hat zwar etwas mit der Ausführung zu tun, ist aber relativ simpel und könnte auch unter Druck funktionieren.

    Das wäre etwas anders, wenn man versucht, etwas über die Feinmotorik zu kontrollieren. Das wird nicht so super sein und wäre vielleicht nicht die beste Option, um etwas auf den Golfplatz mitzubringen oder umzusetzen. Aber in diesem Fall macht es schon Sinn. Wichtig ist, dass man immer in diesem Performance-Mindset ist: Selbst mit dem, was ich gerade lerne und trainiere, kann ich Leistung bringen. Das heißt nicht, dass man jedes Mal einen Score aufschreiben muss. Aber man hat immer das Gefühl: Damit könnte ich gut klarkommen, und morgen im Turnier könnte ich das genauso. Diese Dinge müssen nur so simpel wie möglich sein und logischerweise eher mit der Grobmotorik zu tun haben.

    Fabian Bünker: Das heißt, du würdest schon empfehlen, leichte technische Änderungen umzusetzen. Du hast gerade das Pitchen angesprochen, man kann aber auch in den vollen Schwung gehen – nach dem Motto: in ein volles Finish schwingen oder sich auf das Gleichgewicht konzentrieren, damit man in der Endposition stehen bleibt. Also solche Schwunggedanken, die klar mit einem Punkt in der Bewegung zu tun haben, hältst du für völlig okay, um sie auch im Turnier umzusetzen. Du hast gerade komplexere Dinge angesprochen. Was würdest du als komplexer bezeichnen? Nach dem Motto „mehr von innen kommen“, „releasen“ oder „die Arme mehr überrollen“? Solche feinen Dinge würdest du eher ausschließen, weil sie in dieser Drucksituation zu komplex sind? Ich habe nur eine Chance und denke ja auch daran, den Ball dort hinten ins Ziel zu schlagen, weil ich ihn da hinbringen will.

    Justin Walsh: Ja, ganz genau. Jeder ist ein bisschen anders, auch jeder Topgolfer ist ein bisschen anders. Aber grundsätzlich wollen wir schauen, ob wir unseren Fokus an ein einziges Ding andocken können. Das heißt Konzentration, das heißt Fokus, das heißt ein meditativer Zustand, der es der Bewegung erlaubt, besser zu passieren. Idealerweise hat dieses eine Ding, an das man den Fokus andockt, etwas mit einem externen Fokus zu tun: ein Bild vom Ziel, vom Target, wo man hinwill, zu dem man eine gute Verbindung aufbauen kann, oder etwas mit der Flugbahn.

    Es kann aber auch ein Schwunggedanke sein, ein Trigger. Letztendlich sollte der Schwunggedanke, den man nutzt, aber ein Bild oder ein Gefühl aktivieren, sodass der Körper ihn verstehen kann. Er sollte nicht nur im Intellekt bleiben, nur im Kopf, sondern der Körper sollte darauf anspringen, sich damit verbinden und denken: „Ja, das habe ich, das kann ich jetzt schon spüren.“ Und aus diesem Gefühl heraus geht es los.

    Fabian Bünker: Okay, also sollte es etwas sein, das wirklich ansteuerbar ist, das ich selbst schon einmal umgesetzt habe und nicht gerade neu lerne. Das erlebe ich nämlich immer wieder: Eine Bewegung wird gerade neu gelernt, dann steht ein Turnier an, man versucht es umzusetzen, und es funktioniert gar nicht. Das wird im Grunde einfach zu komplex, weil wir im Turnier eben doch den Unterschied haben: Jetzt habe ich nur diese eine Chance, den Ball dorthin zu schlagen – mit der Konsequenz, die daraus folgt. Erfolgreich oder nicht erfolgreich, günstig oder nicht günstig. Und da ist wieder der Unterschied zur Privatrunde: Wenn es dort nicht klappt, habe ich vielleicht nicht dieses Weiterrechnen – jetzt dieses Loch und dann das nächste und das nächste. Was bei den meisten in Turnieren sehr wahrscheinlich mit hineinspielt.

    Justin Walsh: Ja, genau, das kann der Fall sein. Es gibt unterschiedliche Situationen. Für manche Leute sollte die Privatrunde ein bisschen mehr wie ein Turnier sein, damit der Unterschied zwischen Privatrunde und Turnier nicht so groß ist. Also genauso mit Scorekarte, mit Zählen, manchmal mit fremden Leuten, nicht immer mit dem gleichen Flight und von den gleichen Abschlägen. Dass man das wirklich simuliert. Für andere geht es eher darum, in der Turnierrunde selbst ein Stück von der Wichtigkeit dieser Runde und des Ergebnisses abzubauen.

    Also vorher zu überlegen: Warum ist das für mich nicht so wichtig? Warum definiert mich diese Golfrunde heute gar nicht? Egal, wie das Ergebnis heute ist: Morgen muss ich genauso aufstehen, frühstücken, mit meinem Hund rausgehen und so weiter. Es ändert sich nichts. Ich mache das, weil ich es will. Ich habe mich angemeldet, ich will dieses Turnier spielen. Warum? Weil es irgendwie etwas mit mir macht. Es aktiviert Emotionen in mir, und dadurch bin ich lebendig auf dem Golfplatz unterwegs. Das ist spannend und schön. Und ein Teil davon, warum es spannend ist und etwas mit mir macht, ist, dass es unberechenbar ist. Es bedeutet mir etwas, weil ich Golf mag, aber es ist unberechenbar. Ich weiß nicht, was heute rauskommt. Und das macht etwas mit mir, das ist irgendwie cool. Diese Competition ist spannend – und dann geht es los.

    Fabian Bünker: Das heißt, bei den einen bewusst ein bisschen mehr Stress in die Privatrunde bringen – das ist ja auch Training –, und bei den anderen bewusst den Druck aus der Turnierrunde nehmen und sie eher wie eine Privatrunde spielen. Ein bisschen Yin und Yang also. Wieder schauen, wo der Hebel an der richtigen Stelle liegt.

    Bevor wir gleich noch mal ins Training gehen, vielleicht abschließend, und das ist mir jetzt ganz wichtig: Erstens ist Golf ein Spiel. Natürlich gibt es Turniere, aber es ist erst mal eine Runde Golf. Ich darf aber trotzdem Schwunggedanken oder technische Aspekte, die mir gerade helfen, den Ball besser zu treffen, auch im Turnier umsetzen. Sie sollten aber möglichst simpel sein. Du hast gerade Beispiele genannt: „Ich möchte in eine gute Endposition schwingen“ oder „Meine Arme sollen hoch und weg von mir schwingen“. Also in ganz simplen Kategorien denken und nicht zu komplex nach dem Motto: „Erst die Hüfte, dann den Arm runter, dann vier Grad, dann noch rotieren“ – du weißt selbst, welche Checklisten da manchmal durchgegangen werden. Das kann zwar auch funktionieren, aber als System wird es auf dem Platz sehr wahrscheinlich irgendwann zusammenbrechen. Wenn nicht heute, dann morgen, und wenn nicht an diesem Loch, dann sicherlich am nächsten. Und das Einfache ist auch deutlich leichter wiederzubekommen, wenn es mal nicht läuft.

    Und wenn ich dich richtig verstanden habe, sagst du auch: Überleg dir vorher, was heute dein Fokus auf der Runde ist. Möchte ich heute wirklich schauen, ob ich das umsetzen kann, was ich gelernt habe? Also eine Trainingsrunde für mich spielen und einfach mal schauen, ob das funktioniert, was ich in den letzten Wochen oder Monaten neu gelernt habe? Ich empfehle dann immer, auch mal den Score rauszunehmen – kein Tracking, keine Rundenanalyse. Einfach mal schauen: Klappen die einzelnen Schläge? Ist es die Flugbahn, die ich wollte? Ist es der Spin, den ich wollte? Klappt die Routine auch, wenn mal einer hinter mir steht und ein bisschen Druck macht? Und trotzdem darf ich auch im Turnier – das darf jeder für sich herausfinden – technische Aspekte umsetzen, wenn sie mir helfen. Sie sollten aber simpel sein.

    Was würdest du sagen, wenn dich jetzt eine deiner Spielerinnen fragt – du betreust ja zum Beispiel die Damen aus Hamburg-Falkenstein, die brutal erfolgreich sind, Nationalspielerinnen –: „Morgen ist Turnierrunde, was soll ich jetzt machen?“ Was würdest du ihr mitgeben? Worauf soll sie sich fokussieren? Eher auf das Mentale, auf die Strategie oder auf den Schwunggedanken? Weil ich glaube, dass da am Ende doch immer viel durcheinanderkommt.

    Justin Walsh: Gute Frage. Idealerweise hat man vor dem Turnier nicht die Frage, was man morgen machen soll.

    Fabian Bünker: Ja, okay, aber du weißt, wie es ist.

    Justin Walsh: Ja, genau, ich verstehe das. Eigentlich ist es aus meiner Sicht so: Man geht für viereinhalb, fünf Stunden auf den Golfplatz, und eigentlich sollte man eine Zielsetzung haben – oder sagen wir: Klarheit darüber, was ich in diesen viereinhalb Stunden mache. Das heißt, wenn ich auf den Golfplatz gehe, brauche ich eine Zielsetzung für meine Vorbereitung auf den Golfschlag. Ich brauche ein Ziel für meine Ausführung des Golfschlags. Ich brauche ein Ziel für die Zeit nach dem Golfschlag. Und ich brauche ein Ziel für den Weg von A nach B, also vom zweiten Schlag bis zum Grün. Man sollte diese Zeit mit Zielen abdecken, die einem guttun, die Spaß machen, durch die man mehr Freude hat und mit denen man mental die bestmögliche Version seiner selbst ist, die heute unterwegs sein kann.

    Es ist wichtig, das vorher zu definieren und klar zu haben, es schriftlich festzuhalten, damit man ein paar Punkte geistig wirklich klar hat und es läuft. Und wenn man das über Wochen, Monate und Jahre so trainiert hat, braucht man es weniger aufzuschreiben. Dann ist es schon ein Muster, eine Gewohnheit, es sitzt und läuft von selbst. Aber bei vielen muss das etwas bewusster passieren, weil sie diese Systeme noch nicht richtig am Laufen haben und sich nicht so bewusst sind, was sie in welcher Phase des Golfspiels auf dem Platz machen sollten.

    Die Besseren sind so unterwegs: „Jetzt laufe ich zu meinem Ball. Mein Ziel ist, dass ich ein Stück von der Situation wegkomme.“ Dann drehe ich mich um und mache etwas anderes. Dann komme ich in die Nähe meines Balls und mache meinen Switch-on. Dann habe ich einen Trigger, gehe zum Ball und habe meine Planung, und dann gehen die nächsten Schritte los. Das heißt, jeder Moment ist mit etwas abgedeckt, durch das ich mehr von meinem Spiel bekomme. Ob das zwischendurch ein sozialer Aspekt ist, ein Planungsaspekt, der kreative Teil meiner Schlagvorbereitung und Ausführung oder eine sehr enge Fokusphase: Es gibt diese verschiedenen Elemente, und man braucht klare Ziele, um zu wissen, was man darin machen kann und wie man diese Zeit bestmöglich für das nutzt, was vor einem steht.

    Fabian Bünker: Das heißt, es geht eigentlich nicht nur um die Pre-Shot- und Post-Shot-Routine, die jeder schon mal gehört hat, also die direkte Vor- und Nachbereitung eines Golfschlags, sondern im Grunde um permanente Mini-Routinen, die gezielt und mit einem ganz bewussten Ziel durchgeführt werden. Und das ist eigentlich das Spannende. Das wäre auch die Antwort auf meine Frage: Im Turnier liegt der Fokus tatsächlich auf diesen funktionierenden Mini-Routinen.

    Da muss jetzt keiner, der zuhört, Angst haben, dass er 27.000 Routinen lernen muss. Ich glaube, Pre- und Post-Shot-Routine würden als Basis erst mal reichen. Dass ich mich gezielt auf den Schlag vorbereite und ihn auch gezielt emotional nachbereite. Das ist dann schon ein Fokus: Ich habe diese ganz kleinen Aufgaben, die ich mir immer wieder setze, und die Aufgabe ist eben nicht, den Schwung möglichst schön zu machen. Sondern ein Mix daraus, wie du sagst, mental auch mal bewusst abzuschalten und kurz vor dem Schlag mental wieder anzuschalten. Strategische Gedanken einfließen zu lassen. Und – wie wir es am Anfang besprochen haben – vielleicht auch ganz bewusst ein bisschen Socializing, weil ich auch deswegen Golf spiele. Im Turnier spiele ich vielleicht mit zwei, drei Leuten zusammen, die ich noch nicht kenne.

    Ich glaube, daran scheitern die meisten: an diesem Turnierdruck. „Heute muss ich mein Handicap unterspielen.“ Das ist wie eine Gewitterwolke, die über ihnen hängt. Nach jedem guten oder schlechten Schlag kommt: „Wenn ich so weiterspiele, wird es super“, oder: „Wenn ich so weiterspiele, wird es heute ganz schön schlecht.“ Und da helfen diese Mini-Routinen gezielt. Ich kann ja trotzdem daran denken, aber sie helfen mir, das Richtige zu tun. Das ist tatsächlich ein super Fokus für ein Turnier – im Gegensatz zu einer Trainingsrunde, in der ich ein bisschen Technik umsetze, oder einer Socializing-Runde.

    Justin Walsh: Und die Zielsetzung bezieht sich mehr auf einen selbst und nicht nur auf das Ergebnis. Viele sagen: „Heute läuft es wunderbar, ich bin heute super“ oder „Heute bin ich so schlecht.“ Da sieht man diese Identifikation: Ich bin heute gut, ich bin schlecht. Und da würde ich sagen: Nein, du kannst immer gut sein. Der Ball ist unterschiedlich geflogen und das Ergebnis ist anders, aber du kannst immer gut sein. Du bist, wie du bist. Du bist Manfred, du bist Justin, und das bleibst du, egal was der Ball macht. Du kannst immer eine gute Version von dir selbst sein. Das kannst du entscheiden. Aber darauf muss man seine Ziele ausrichten, und manchmal muss man sich auch die Frage stellen: Wer möchte ich als Golfer sein, sodass mein zukünftiges Ich dafür dankbar sein kann? Wofür stehe ich, was sind meine Werte, und spiegle ich das auf dem Golfplatz wider? Insofern geht es um viel mehr als nur darum, was mein Golfball gerade auf dem Loch macht.

    Fabian Bünker: Spannend. Und das Ganze fällt ja nicht am ersten Abschlag vom Himmel, dass ich diese Routinen und Voraussetzungen habe. Das kann ich gezielt trainieren. Lass uns den Schluss unseres Gesprächs noch dafür nutzen, weil das irgendwie entwickelt werden muss – und ich muss ja auch nicht alles auf einmal entwickeln.

    Ich glaube, jede ambitionierte Golferin und jeder ambitionierte Golfer kann ein paar Dinge im Training tun, um sich besser auf Turniere und Drucksituationen vorzubereiten. Auf dieses: „Jetzt zählt es auf einmal, dass der Ball da hinten hinmuss.“ Nimm uns da mal mit. Jeder, der jetzt zuhört, geht trainieren, und es muss ja nicht stundenlang sein. Was kann ich in meinem Training tun, um diese Routinen, die wir gerade angesprochen haben – mich auf einen Schlag vorbereiten, am Ball komplett bei mir sein, nur an das Ziel denken –, auch im Training umzusetzen, ohne eine Riesenwissenschaft daraus zu machen? Ganz simpel. Denn Dinge, die im Wettkampf klappen sollen, muss ich ja irgendwo vorbereiten. Der Lotto-Glückstreffer trifft leider immer nur sehr wenige – oder nur sehr temporär für einen Schlag oder ein Loch.

    Justin Walsh: Ja, sehr gut. Du hast vorhin gesagt: „Im Turnier muss der Ball jetzt dahin.“ Ein ganz simples Element, das sehr hilfreich ist: wenn dieses „Muss“ in der eigenen Golfsprache nicht mehr existiert. Es gibt drei Dinge, die man machen muss: atmen, essen und trinken, sonst ist man tot. Dass ein Ball gerade fliegt, steht nicht auf der Liste.

    Fabian Bünker: Das steht nicht in den Mussgesetzen. Da hast du recht.

    Justin Walsh: Gar nicht, weil der Ball nicht immer gerade fliegen kann. Insofern kann ich nicht „muss“ sagen. „Muss“ kann ich nur sagen, wenn es wirklich jedes Mal so ist, und das ist beim Golf definitiv nicht der Fall. Ersetze es durch andere Worte wie „möglich“ oder „Ich habe Bock, den Ball dorthin zu schlagen“. Das sind Worte, die nicht auf ein bestimmtes Ergebnis beschränkt sind, das es sein muss, und die einen nicht so verkrampfen lassen. Aber zurück zu den Trainingselementen – da gibt es natürlich viele Dinge.

    Fabian Bünker: Was tun die meisten? Ganz simpel: Du bist ja in Egmating und siehst, was auf der Range passiert. Die meisten Golfer holen sich einen Eimer Bälle, machen ein paar Chips und Pitches oder wärmen sich vielleicht vorher auf und schlagen dann von der Sandwedge über das Eisen 7 bis hin zum Driver und schauen immer, dass der Ball möglichst geradeaus fliegt. Heute ist es ja noch schlimmer: Du und ich sind noch auf Gras groß geworden. Heute habe ich eine Matte, die immer geradeaus ausgerichtet ist. Ich lerne also nicht mehr intuitiv, mich mal schräg auszurichten. Und der Ball liegt nicht mal nicht perfekt, sondern er liegt immer gleich.

    Was kann ich mit diesem Eimer Bälle ganz simpel tun? Ich mache ein bisschen Techniktraining, ich schaue, dass der Ball geradeaus fliegt – gut. Aber was kann ich mit den letzten 20 Bällen machen, um mich auf das vorzubereiten, was mich am Sonntag beim Monatsturnier oder am Dienstag oder Mittwoch erwartet? „Jetzt muss ich hier aus gut 100 Metern mit meinem Eisen 7 schlagen, davor ist ein Bunker, aber ich will den Ball aufs Grün bringen.“ Das trainieren die wenigsten, ganz simpel.

    Justin Walsh: Da kommt mir gerade ein Bild in den Kopf, wie auf Zigarettenpackungen: „Going on the range today could seriously damage your golf game.“ Weil ich so oft sehe, dass Leute nicht gut trainieren und ihr Spiel auf dem Golfplatz dadurch schlechter wird. Es besteht wirklich die Gefahr, dass man dieses Umfeld falsch nutzt. Denn das Umfeld auf der Range ist falsch. Das ist, wie wenn Jugendliche auf Social Media in eine falsche Welt eintauchen, die nicht zum realen Leben gehört, was da alles gepostet wird. Und wenn wir auf die Driving Range gehen, ist das auch fake. Wir haben eine Range, die 120 Meter breit ist. Wir haben 60 Bälle in einem Eimer. Wir haben Zahlen auf Schildern, die es so nicht gibt. Wir haben eine Matte, die es auf dem Golfplatz nicht gibt, und Markierungen, die uns den Weg zeigen. Vielleicht haben wir noch einen Trackman, der uns alles zeigt, was passiert ist, und den wir auf dem Golfplatz auch nicht haben. Das alles hat das Potenzial, unserer Leistung auf dem Golfplatz nicht gerade zu helfen.

    Aber es kann doch hilfreich sein, die Range hat natürlich sehr viele positive Aspekte. Man muss sich nur sehr bewusst sein, wie man sie nutzt. Das Einfachste ist, darauf zu achten, dass man genug Zeit auf der Range hat, um Dinge zu machen, die auf die Zukunft auf dem Golfplatz ausgerichtet sind. Was kommt auf dem Golfplatz auf mich zu? Was brauche ich dort?

    Zum Beispiel fremde Leute. Leute laufen gerade auf der Range vorbei, und ich habe einen Korridor auf der Range. Ich sage mir innerlich: „Ich muss.“ Das macht man sonst nicht, aber ich baue bewusst Druck auf mit diesem „Muss“. Leute laufen hinter mir vorbei, und ich habe eine Chance, in diesen Korridor zu treffen, mit fremden Leuten hinter mir. Dann habe ich im Training etwas gemacht, das einen Punkt trifft, der für mich im Turnier auf dem Golfplatz wichtig ist: ein Ball, eine Chance, ein Korridor, fremde Leute, die mir zuschauen. Dann habe ich diese Situation gut genutzt.

    Manchmal nutze ich die Driving Range so, dass ich die Bälle nicht neben mir habe, sondern etwas weiter hinten bei meiner Golftasche. Ich nehme nur einen Ball mit nach vorne und setze mir einen neuen Fokus: Was will ich mit diesem Golfschlag machen, und wohin will ich ihn schlagen? Die Balllage ist immer anders, die Richtung ist anders, klassisch mit Routine und so weiter – solange die Routine kurz und knackig ist.

    Dann überlegt man: Was brauche ich noch auf dem Golfplatz? Manchmal liegt der Ball im Rough. Okay, dann gehe ich an die Seite der Range, da ist ein bisschen Rough und niemand stört. Da kann ich ein paar Bälle aus dem Rough schlagen und schauen, wie der Ball mit verschiedenen Schlägern reagiert. Manchmal regnet es auf dem Platz. Dann mache ich den Griff meines Schlägers ein bisschen feucht und schlage ein paar Bälle nach links und rechts mit verschiedenen Schlägern, um zu schauen, wie mein Schwung reagiert, wenn der Griff feucht ist.

    Fabian Bünker: Oder der Handschuh nass ist. Okay.

    Justin Walsh: Und sogar für die mentalen Aspekte machen wir manchmal einen Dialog, eine Audioaufnahme mit verschiedenen Gedanken, die in der Routine auf dem Golfplatz auftauchen können. Die hört man dann über Kopfhörer und trainiert, trotzdem bei seinen Dingen zu bleiben und sich mit dem Ziel zu verbinden, obwohl das innere Umfeld ein ganz anderes ist. Insofern kann man die Range auf ganz verschiedene Arten nutzen – mit dem Hintergedanken: Was würde mit hoher Wahrscheinlichkeit im Laufe einer Turniersaison auf mich zukommen, und wie kann ich das in meine Trainingszeiten auf der Range integrieren? Nicht, dass das alles sein muss, aber ein Teil davon.

    Fabian Bünker: Genau, es müssen nicht 1.000 Bälle sein. Wie du sagst: Wenn ich 60 Bälle in einem Eimer habe, reichen wahrscheinlich 25. Denn bei dem Training, das du gerade beschrieben hast, dauert jeder einzelne Schlag natürlich viel länger, als wenn ich zum siebten Mal mein Eisen 7 von innen schwinge, mit mehr Hüfte oder was auch immer, und mir direkt den nächsten Ball hole. So nehme ich mir einen einzelnen Ball und lege ihn vielleicht mal in ein Divot, ins Rough oder an eine Bunkerkante. Eigentlich muss ich nur darüber nachdenken, welche Lagen ich auf dem Golfplatz auf gar keinen Fall haben möchte. Wenn ich diese zehn Lagen trainiere, habe ich schon total abwechslungsreich trainiert. Und ich weiß, dass das Training dann viel mehr Spaß macht.

    Das einzig Krasse, und das kann ich als Spieler selbst sagen, da musst du zum Schluss noch mal helfen: Dann kommt immer dieser Satz, den ich früher als Spieler auch gedacht habe: „Ich muss erst mal lernen, den Ball geradeaus zu schlagen, bevor ich lerne, ihn aus dem Divot oder aus dem Rough zu schlagen.“ Dahinter steht der Gedanke: Je besser und häufiger ich den Ball geradeaus schlage, desto seltener liege ich in solchen Lagen. Ich schließe also schlechte Lagen dadurch aus, dass ich lerne, den Ball immer gerader zu schlagen. Und manchmal war da zumindest bei mir als Spieler auch das Gefühl: „Ich versaue mir gerade meinen Schwung, wenn ich jetzt Bergauflagen übe und immer einen anderen Schlag mache.“ Das höre ich auch immer wieder von Golferinnen und Golfern. Was würdest du dazu sagen?

    Justin Walsh: Es ist genau das Gegenteil. Man entwickelt sein Spiel auf ein anderes Level. Das Ziel ist nicht Wiederholbarkeit, die existiert nicht. Das Ziel ist nicht Konstanz, die existiert nicht. Das Ziel ist nicht, den Ball immer gerade zu schlagen, das gibt es nicht. Sondern das Ziel ist: Wie gut kann ich mich an die verschiedenen Herausforderungen anpassen, an die verschiedenen Puzzles, die mir der Golfplatz in den Weg wirft? Jeder Schlag ist ein eigenes, unterschiedliches Puzzleteil. Wie kann ich mich anpassen, um damit klarzukommen?

    Und dabei entwickelt sich Vertrauen. Ein Teil des Vertrauens entsteht, wenn man sich auf die verschiedenen Dinge vorbereitet, die im Turnier passieren können. Wenn ich diese Dinge geübt habe, hat mein Geist weniger Gründe, sich Sorgen zu machen, falls sie passieren. Er sagt dann: „Das habe ich trainiert, ich bin bereit dafür. Ich habe mich vorbereitet und weiß, was zu tun ist.“ Deshalb sind diese unterschiedlichen Schläge so wahnsinnig wichtig. Das Umfeld erzeugt den Schwung – nicht der Schwung das Umfeld. Es beginnt da draußen, und man arbeitet rückwärts. Statt: „Ich muss hier etwas machen, um vorne etwas zu erreichen“, heißt es: Ich nehme vorne wahr, passe mich an, und die entsprechende Bewegung entsteht daraus. Ich glaube, das verstehen viele Leute nicht zu 100 Prozent.

    Fabian Bünker: Das ist draußen auch gar nicht verbreitet. Wenn ich in eine normale Trainerstunde gehe, wird am Schwung gearbeitet. Da wird gesagt: „Ich habe an der 7 den Ball geslict.“ – „Zeig mal, du hast hier Slice-Faktoren drin“ und so weiter. Es wird nicht die 7 geübt, nach dem Motto: „Okay, vielleicht mal ein bisschen weiter rechts aufteen und nach links schlagen oder keinen Driver nehmen, sondern ein Hybrid.“ Du hast gesagt, du hast 50 Minuten Zeit, jetzt sind es schon 51 Minuten.

    Justin Walsh: Du kriegst immer Bonuszeit von mir, Fabian. Immer.

    Fabian Bünker: Ich merke das schon, vielen Dank. Ich glaube, das hast du extra gemacht: die Zeit extra verkürzt, damit du jetzt sagen kannst, dass du Bonuszeit gibst. Das ist auch mental – guter Verkäufer.

    Zum Schluss noch mal vielen Dank für deine Zeit. Ich glaube, wir haben ganz viele spannende Dinge mitgenommen: wie ich eine Runde angehe, welche Dinge für mich auf einer Runde wichtig sind – also von der Gedankenwelt her, um das, was ich eigentlich kann, auch abrufen zu können – bis hin dazu, wie ich mich im Training darauf vorbereiten kann. Wenn jeder, der jetzt zugehört hat, anfangen würde, von 60 Bällen nur 20 so zu trainieren … Das Schwierige ist: Das merkt man nicht morgen und auch nicht übermorgen. Das dauert vielleicht drei, vier, fünf Monate, bis ich merke, was du gesagt hast: „Auf diese Situation bin ich ja total vorbereitet“, oder: „Die hat mir gar kein Problem mehr gemacht“, oder: „Den Meterputt habe ich auf einmal gelocht.“ Sich auf diese unterschiedlichen Situationen vorzubereiten, ist ein ganz wichtiger Aspekt.

    Lieber Justin, ich möchte deine Bonuszeit trotzdem nicht überstrapazieren, weil ich noch mal für ein Interview auf dich zukommen möchte und dann auch noch mal Bonuszeit bekommen will.

    Justin Walsh: Vielen Dank.

    Fabian Bünker: Also vielen Dank für dein Wissen in diesem Bereich. Ich glaube, da war wieder für jeden etwas dabei, auch zum direkten Umsetzen. Das ist immer das Entscheidende. Wer Fragen hat, meldet sich gern bei uns. Oder du kommst einfach in eines unserer Coaching-Programme, dann wird es noch einfacher, denn dann sind wir dafür da, das gemeinsam zu machen.

    In diesem Sinne: So bringst du dein Spiel auf den Platz – mit dem Wissen von Justin. Vielen Dank an dich, lieber Justin. Wir hören und sehen uns ganz bald – ich weiß nicht, wann diese Podcastfolge rauskommt, aber am 18./19. September in Valley bei München. Ich freue mich schon auf den Coaching-Tag mit dir.

    Justin Walsh: Ich mich auch.

    Fabian Bünker: Und allen anderen viel Spaß beim Umstellen des Trainings und bei der veränderten Herangehensweise an die nächsten Golfrunden. Bleibt gesund, und dann hören wir uns in der nächsten Podcastfolge wieder – und ganz bald sicherlich auch wieder mit Justin. Danke euch, ciao!


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