Ich gebe dir eine Aufgabe, bevor du weiterliest. Stell dir vor, du sollst deinen Rückschwung um zehn Zentimeter verkürzen. Du machst das, es fühlt sich riesig an, fast schon falsch. Und dann schaust du auf das Video: Es hat sich um zwei Zentimeter etwas verändert.
Diese Szene erlebe ich im Coaching jede Woche. Sie ist der Grund, warum Techniktraining bei den meisten Golfern so langsam vorangeht – und warum viele irgendwann glauben, sie könnten es einfach nicht. Sie könnten es schon. Sie sehen sich nur nicht.
Gefühl ist ein schlechtes Messinstrument
Dein Körper hat kein objektives Bild von sich selbst. Er hat ein Gefühl, und dieses Gefühl orientiert sich immer an dem, was du gewohnt bist. Alles, was von deiner Gewohnheit abweicht, fühlt sich sofort nach viel an – auch wenn es objektiv fast nichts ist.
Das gilt in beide Richtungen, und das ist der unangenehme Teil. Manchmal machst du eine winzige Veränderung und empfindest sie als gewaltig. Und manchmal veränderst du tatsächlich viel und merkst es überhaupt nicht, weil dein Kopf mit dem Ball beschäftigt ist statt mit deiner Bewegung.
Deshalb ist der Satz „das hat sich gut angefühlt" im Techniktraining ungefähr so wertvoll wie „der Ball ist irgendwo hin geflogen". Er beschreibt etwas, aber er sagt dir nicht, ob du auf dem richtigen Weg bist. Warum du trotzdem nicht bei jeder Runde an deiner Technik arbeiten musst, liest du in diesem Artikel.
Was im Techniktraining wirklich schiefgeht
Es sind fast immer dieselben drei Punkte:
- Du korrigierst zu wenig, weil es sich nach zu viel anfühlt. Du sollst den Schläger im Abschwung mehr von innen bringen, machst gefühlt einen riesigen Bogen – und im Video ist die Schwungbahn kaum verändert.
- Du korrigierst mehrere Dinge gleichzeitig. Set-up, Ballposition, Griffdruck, Schulterdrehung: Wer in einer Einheit an vier Punkten arbeitet, hat am Ende an keinem gearbeitet. Er hat nur vier neue Gedanken im Kopf.
- Du bekommst die Rückmeldung zu spät. Wer erst zu Hause auf der Couch sein Video anschaut, kann in dieser Einheit nichts mehr ändern. Die 40 Bälle danach hast du mit der alten Bewegung gespielt und sie damit weiter eingeschliffen.
Der dritte Punkt ist der teuerste – und der am leichtesten zu lösende.
Übung 1: Das Zwei-Perspektiven-Video
Wenn du dich filmst, dann bitte richtig. Ein Video von schräg hinten mit dem Handy auf der Golftasche bringt dir wenig, weil du darauf genau das nicht siehst, worauf es ankommt.
Nimm zwei Perspektiven auf: einmal von der Seite, auf Höhe deiner Hände, in Verlängerung der Ziellinie. Und einmal von vorne, also frontal auf dich. Immer aus derselben Entfernung und derselben Höhe, damit du die Aufnahmen über Wochen miteinander vergleichen kannst.
Trainingsaufbau
- Drei Schläge je Perspektive, ohne Auswertung – nur damit du dich an die Kamera gewöhnst.
- Nach jedem dritten Ball direkt ins Video schauen und genau eine Frage beantworten: War der Fokuspunkt da oder nicht?
- Aufnahme mit dem Video der Vorwoche vergleichen, gleiche Perspektive, gleicher Schläger.
- Alle vier Wochen ein Referenzvideo anlegen und archivieren. Das ist dein ehrlichster Fortschrittsbeleg.
Übung 2: Zeitlupe mit Kontrolle
Der Tai-Qi-Schwung ist meine Lieblingsübung, um eine neue Bewegung überhaupt erst spürbar zu machen. Du schwingst in extremer Zeitlupe und spürst jede Position bewusst: Rückschwung, Übergang, Treffmoment, Finish. Danach steigerst du das Tempo nach der 30-60-90-Regel – drei Schwünge mit etwa 30 Prozent, drei mit 60, drei mit 90 Prozent.
Der entscheidende Zusatz für dein Techniktraining: Mach das nicht blind. Mach es vor deinem Bild. Was sich in Zeitlupe richtig anfühlt, sieht erstaunlich oft anders aus – und genau in diesem Abgleich passiert das Lernen. Wenn du generell mehr Struktur in dein Range-Training bringen willst, findest du hier weitere Trainingstipps.
Trainingsaufbau
- Neun Schwünge ohne Ball nach der 30-60-90-Regel, ohne Bild, nur spüren.
- Dieselben neun Schwünge mit Live-Bild – nach jedem Schwung kurz abgleichen: Gefühl gegen Bild.
- Mit Ball, aber nur bis 60 Prozent Tempo. Das Ergebnis ist egal, es zählt die Bewegung.
- Zehn Bälle bei 90 Prozent, jeden mit einer Schulnote von 1 bis 6 bewerten – und erst danach wieder ins Video schauen.
Der Swing Mirror schließt die Lücke sofort
Genau für diesen Abgleich haben wir in unserer App Sweetspot Golf den Swing Mirror gebaut. Ein Gerät filmt dich, das zweite ist dein Spiegel: Du siehst dich live beim Schwung, direkt an der Matte, ohne WLAN und ohne Internet. Die Session landet danach automatisch in deiner Fotos-Mediathek.
Was das im Training verändert, merkst du nach zehn Minuten. Du hörst auf zu raten, ob deine Korrektur angekommen ist, und siehst es. Du korrigierst im richtigen Maß statt nach Gefühl. Und du schleifst keine 40 Bälle lang etwas ein, das gar nicht das ist, was du eigentlich üben wolltest.
Für mich ist der Swing Mirror deshalb keine Spielerei, sondern der Punkt, an dem Techniktraining vom Wissen ins Umsetzen kippt. Verstanden hatten meine Teilnehmer die Veränderung fast immer. Gesehen haben sie sich dabei selten.
Erst trocken, dann mit Ball
Noch ein Hinweis zur Reihenfolge, weil das oft zu schnell geht: Eine neue Bewegung lernst du ohne Ball. Erst wenn sie in der Trockenübung sitzt und du sie im Bild wiedererkennst, gehst du damit auf die Range.
Der Ball ist nämlich der größte Ablenker, den es gibt. Sobald er da liegt, will dein Kopf ein Ergebnis, und die Bewegung wird zur Nebensache. Wer die Reihenfolge einhält, spart sich Wochen.
Und plane realistisch: Rechne mit zwei bis drei Wochen, bis sich eine Veränderung normal anfühlt. Solange sie sich noch komisch anfühlt, machst du wahrscheinlich alles richtig.
Fazit
Techniktraining scheitert selten am Verstehen und fast immer am Umsetzen. Dein Gefühl ist dabei kein Verbündeter, sondern ein Messgerät mit Eigenleben – es meldet dir „viel", wo objektiv wenig passiert ist.
Das Wichtigste in Kürze:
- Dein Gefühl orientiert sich an Gewohnheit, nicht an der Realität – kleine Änderungen fühlen sich oft riesig an, große bleiben manchmal unbemerkt.
- Die drei häufigsten Fehler: zu wenig korrigieren, zu viel gleichzeitig korrigieren, zu späte Rückmeldung.
- Video-Feedback aus zwei festen Perspektiven macht Fortschritt über Wochen vergleichbar.
- Neue Bewegungen zuerst trocken lernen, erst danach mit Ball – der Ball lenkt sofort vom Bewegungslernen ab.
- Rechne mit zwei bis drei Wochen, bis sich eine Veränderung normal anfühlt.
Deine Aufgabe für die nächste Einheit: Nimm dir genau einen Punkt vor, filme dich von der Seite und von vorne und schau nach jedem dritten Ball ins Bild. Mehr nicht.
Und dann interessiert mich: Wie groß war der Unterschied zwischen dem, was du gefühlt hast, und dem, was du gesehen hast? Schick mir dein Video gern per Mail an hallo@fabianbuenker.de, dann sage ich dir, was mir auffällt.
Den Spiegel für die Range hast du mit Sweetspot Golf immer dabei – im App Store unter „Sweetspot Golf", der Download ist kostenlos und du testest zehn Tage kostenlos.
Nur zum Launch: Vom 17.09.2026 bis zum 21.09.2026 um 23:59 Uhr gibt es den Birdie Pass im App Store für 49 Euro statt 99 Euro – und das ist der Preis für ein ganzes Jahr Training. Danach kostet das Jahr wieder regulär 99 Euro.
Und jetzt wünsche ich dir viel Spaß beim Umsetzen meiner Tipps und ein Video, auf dem du dich zum ersten Mal wiedererkennst!
Up & Down, dein Fabian
