Die meisten Golferinnen und Golfer glauben, ein einziger schlechter Schlag hätte ihr Selbstvertrauen zerstört. Tatsächlich passiert das meist erst danach – auf der Terrasse, beim Bier, auf der Fahrt nach Hause. Fabian zeigt, warum Selbstvertrauen unabhängig vom Ergebnis aufgebaut werden muss, was Profis in Interviews systematisch anders machen und mit welcher einfachen Aufgabe du nach der nächsten Runde startest.
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Darum geht es in dieser Podcastfolge:
- Warum nicht der Fehlschlag dein Selbstvertrauen kostet, sondern das Gespräch danach
- Was Selbstvertrauen überhaupt bedeutet – und warum es unabhängig vom Score sein muss
- Weshalb wir alle darauf trainiert sind, zuerst auf Fehler zu schauen
- Wie Profis in Interviews sprechen und was du davon übernehmen kannst
- Die Aufgabe für deine nächste Runde: drei Dinge, die gut waren
Der Moment, in dem Selbstvertrauen wirklich verloren geht
Die typische Golfrunde beginnt mit Vorfreude: Du fährst zum Platz, meistens ist gutes Wetter, du schlägst ein paar Bälle ein und spielst deine neun oder achtzehn Löcher. Danach räumst du das Bag weg, setzt dich auf die Terrasse – und dann kommt die Frage, die zwangsläufig kommt: „Und, wie hast du gespielt?“
Genau an dieser Stelle passiert laut Fabian das Entscheidende. Die Antwort lautet in aller Regel: eigentlich ganz gut, aber der 3-Putt an der 7, der Drive ins Aus an der 5, der Chip, der wieder nicht über den Bunker kam. Erzählt wird also fast ausschließlich über Fehlschläge – im eigenen Hobby, nach einem schönen Tag draußen.
Das Problem dabei ist nicht die Ehrlichkeit, sondern die Wiederholung. Wer über den 3-Putt spricht, sieht ihn vor dem inneren Auge noch einmal. Der Schlag ins Wasser entsteht noch einmal, der Ball im Aus ebenfalls. Dadurch speichern sich diese Situationen immer stärker ab. Und weil solche Schläge zwangsläufig wieder vorkommen, verstärkt sich das Muster mit jeder Runde weiter – bis daraus Frust, Zweifel und Misstrauen gegenüber dem eigenen Spiel werden.
Was Selbstvertrauen eigentlich bedeutet
Fabian sagt selbst, dass er Wörter ungern auseinandernimmt – bei diesem einen lohnt es sich aber: Selbstvertrauen heißt nichts anderes als Vertrauen in dich selbst. In deine eigenen Fähigkeiten. Die Überzeugung, dass du etwas erreichen, etwas meistern, etwas lösen kannst.
Daraus folgt der Kernpunkt der Folge: Selbstvertrauen kann nicht an einem einzelnen Schlag, einem einzelnen Loch oder einer einzelnen Runde hängen. Ergebnisse dürfen es befeuern – aber sie dürfen es nicht herunterziehen.
Der Grund ist simpel. Fabian zitiert dazu den Mentalcoach der Akademie, Justin Walsh: „Golf is hard enough.“ Golf ist ohnehin ein brutal harter Sport, in dem man permanent auf die Nase fällt. Sein Vater hat es Fabian einmal als Problemlösungssport beschrieben: Der Platz stellt dich immer wieder vor kleine Herausforderungen – Rough, Wind, ein Baum im Weg, ein ungünstiger Winkel für den nächsten Schlag. Wer sein Selbstvertrauen ausschließlich aus Ergebnissen zieht, holt sich in diesem Sport dauerhaft eine blutige Nase.
Warum wir alle auf Fehler trainiert sind
Dass wir nach der Runde zuerst über Fehler sprechen, ist kein persönliches Versagen, sondern antrainiert. Fabian verweist auf die Schule: Dort heißt es nicht „du hast alles richtig gemacht“, sondern „du hast null Fehler gemacht“. Korrigiert wird in Rot, nicht in Grün. Dasselbe Prinzip zieht sich durch Studium, Ausbildung und Beruf – überall geht es darum, Fehler zu minimieren.
Fabian betont ausdrücklich, dass das in vielen Bereichen genau richtig ist. Sein Beispiel: Bei Menschen, die in einem Atomkraftwerk arbeiten, ist Fehlerminimierung absolut die passende Herangehensweise. Im Golfsport funktioniert dieselbe Denkweise aber gegen dich – weil hier nicht Fehlerfreiheit das Ziel ist, sondern Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
Passend dazu zitiert Fabian einen Satz, den er kürzlich gelesen hat: Der Glaube an sich selbst sei das wertvollste Gut, das ein Mensch besitzen könne – geschenkt bekomme man diesen Glauben allerdings nicht, man müsse ihn sich hart erarbeiten. Übersetzt heißt das: Selbstvertrauen wird morgens nicht mit den Range-Bällen aus dem Automaten mit ausgeworfen. Es ist etwas, woran du permanent arbeitest.
Was Profis anders machen
Fabian schaut nach eigener Aussage sehr viel Golf im Fernsehen – und ihm fällt dort ein Muster auf: Profis sprechen im Interview zuerst darüber, was sie gut gemacht haben. Unabhängig davon, wie die Frage gestellt wurde.
Also: An diesen Dingen habe ich in den letzten Wochen gearbeitet, das hat gut geklappt. Meine Putts waren heute gut. An der 17 war ich in einer schwierigen Situation und habe sie richtig gut gemeistert.
Das ist kein Schönreden. Denn natürlich sprechen Profis anschließend auch darüber, wo sie besser werden wollen – und genau darin liegt der zweite Unterschied. Sie sagen nicht „das habe ich schlecht gemacht“, sondern „das will ich besser machen“. Eine andere Sprache, ein anderer Effekt. Es geht darum, die Macht des Negativen nicht zu groß werden zu lassen.
Deine Aufgabe nach der nächsten Runde
Genau das ist auch die erste Aufgabe, die neue Coaching-Teilnehmer in der Akademie bekommen. Fabian erlebt dort regelmäßig, dass im Chat nach der Runde zuerst kommt, was nicht funktioniert hat. Positiv über das eigene Spiel zu sprechen, muss erst gelernt werden.
So sieht die Aufgabe aus:
- Nach jeder Runde und nach jedem Training drei Dinge benennen, die gut waren
- Diese drei Dinge aufschreiben – wer schreibt, der bleibt
- Sie zuerst nennen, bevor über irgendetwas anderes gesprochen wird
Entscheidend ist, was du dabei bewertest: nicht das Ergebnis, sondern den Prozess. Es muss nicht der gelochte lange Putt sein. Es reicht völlig:
- An der 7 hat mich mein Mitspieler gestört – ich habe abgesetzt und den Schlag dann voll durchgezogen
- Ich habe heute bei jedem Schlag meine Routine durchgezogen
- Bei dem Putt, vor dem ich Angst hatte, habe ich die Linie genau gelesen, meine Routine gespielt und auf den Punkt geachtet, den ich treffen wollte
Fabian rechnet fest damit, dass darauf E-Mails und Kommentare kommen nach dem Motto: „Bei mir ist überhaupt nichts gut.“ Seine Antwort darauf ist eindeutig – auf jeder Runde und in jedem Training gibt es drei Dinge, die du gut gemacht hast.
Und wenn du das nächste Mal auf der Terrasse gefragt wirst, wie es lief, antworte damit. Erwarte ruhig erstaunte Gesichter: Auf einer Golfrunde gibt es schließlich, so die verbreitete Haltung, immer etwas zu meckern.
In der nächsten Folge zeigt Fabian dann Schritt für Schritt, wie Selbstvertrauen aktiv aufgebaut werden kann.
Ein Werkzeug dafür gibt es bereits: das Golf Erfolgsjournal, das Fabian genau für diesen Zweck entwickelt hat.
Die wichtigsten Fragen zu Selbstvertrauen im Golf
Wodurch verliere ich mein Selbstvertrauen beim Golf wirklich?
Nicht durch den einzelnen Fehlschlag, sondern durch das, was danach passiert. Wer nach der Runde vor allem über 3-Putts, Bälle im Aus und misslungene Chips spricht, durchlebt diese Situationen erneut und speichert sie dadurch stärker ab.
Warum sollte Selbstvertrauen unabhängig vom Ergebnis sein?
Weil Golf ein Problemlösungssport ist, der dich permanent vor neue Herausforderungen stellt. Wer sein Selbstvertrauen nur aus guten Scores zieht, verliert es zwangsläufig immer wieder. Ergebnisse dürfen das Selbstvertrauen befeuern, aber nicht herunterziehen.
Was kann ich konkret tun, um mein Selbstvertrauen aufzubauen?
Benenne nach jeder Runde und jedem Training drei Dinge, die gut waren – am besten schriftlich und bevor du über irgendetwas anderes sprichst. Bewerte dabei nicht das Ergebnis, sondern den Prozess: Routine, Fokus, Umgang mit Störungen.
Ist das nicht einfach Schönreden?
Nein. Es geht nicht darum, Fehler zu ignorieren, sondern darum, ihnen nicht das ganze Gewicht zu geben. Auch Profis sprechen darüber, was sie verbessern wollen – aber sie formulieren es als „besser machen“ statt als „schlecht gemacht“.

