Vor jedem Schlag auf dem Platz ein Probeschwung – das lernt jeder Golfer von Anfang an. Aber bringt diese Gewohnheit wirklich etwas, oder tut sie sogar das Gegenteil von dem, was sie soll? Fabian stellt eine Routine infrage, die für die meisten Golfer völlig selbstverständlich ist.
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Darum geht es in dieser Podcastfolge:
Eine gelernte Gewohnheit auf dem Prüfstand
Der Probeschwung gehört für die meisten Golfer von der ersten Schnupperstunde an zur Routine. Die Idee dahinter: den geplanten Schlag gedanklich und körperlich schon einmal vorwegzunehmen, bevor er tatsächlich gespielt wird – gerade in der Anfangszeit, wenn die Bewegung noch sehr technisch geprägt ist.
Fabian stellt zu Beginn der Folge klar, wo er nach fast 25 Jahren als Golflehrer steht: Seiner Erfahrung nach macht ein Probeschwung auf dem Platz keinen Sinn mehr. Diese Aussage sei bewusst provokant gemeint – und er rechnet auch mit entsprechenden Reaktionen der Hörerschaft.
Warum zu viele technische Gedanken den Schlag stören
Auf dem Golfplatz geht es laut Fabian nicht darum, eine perfekte Bewegung auszuführen, sondern ein konkretes Problem zu lösen: den Ball mit möglichst wenigen Schlägen ins Loch zu bringen. Ein Probeschwung mit dem Ziel einer schönen, technisch korrekten Bewegung hat mit dieser eigentlichen Aufgabe oft wenig zu tun.
Einen einzelnen Schwunggedanken hält er trotzdem weiterhin für sinnvoll – dafür brauche es aber keinen körperlichen Probeschwung, ein gedanklicher Fokus reiche völlig aus.
Zwei Systeme, die gegeneinander arbeiten
Der Kern von Fabians Argumentation: Beim Probeschwung und beim eigentlichen Schlag laufen zwei unterschiedliche Ziele gegeneinander.
- System 1: einen schönen, technisch sauberen Schwung ausführen
- System 2: den Ball tatsächlich treffen und ins Ziel bringen
Auf der Range lassen sich beide Systeme trennen. Auf dem Platz, wo tatsächlich ein Ball liegt und ein Ergebnis zählt, konkurrieren sie jedoch miteinander – mit der Folge, dass der Probeschwung selten das abbildet, was am Ball tatsächlich passiert.
Der Unsicherheits-Effekt: In beide Richtungen problematisch
Ein zentraler Beobachtungspunkt aus Fabians Praxis: Unabhängig davon, ob der Probeschwung gut oder schlecht gefühlt wurde, entsteht am Ball zusätzliche Unsicherheit.
| Probeschwung fühlte sich... | Typische Reaktion |
|---|---|
| ...gut an | Sorge, den „guten Schlag" schon verbraucht zu haben und ihn am Ball nicht wiederholen zu können |
| ...schlecht an | Zusätzlicher Zweifel, ob der eigentliche Schlag überhaupt gelingen kann |
Statt Sicherheit aufzubauen, führt der Probeschwung damit in beiden Fällen eher zu mehr Anspannung – und das wirkt sich negativ auf den eigentlichen Schlag aus.
Warum das Muskelgedächtnis-Argument nicht trägt
Die ursprüngliche Idee hinter dem Probeschwung ist, den geplanten Schlag vorwegzunehmen und die Bewegung am Ball dadurch unbewusster ablaufen zu lassen. Genau das funktioniert laut Fabian aber wegen des beschriebenen Konflikts zwischen System 1 und System 2 in der Praxis kaum. Der Probeschwung wird am Ball selten eins zu eins umgesetzt – der erhoffte Trainingseffekt bleibt aus.
Besonders kritisch: Putten und kurzes Spiel
Noch deutlicher wird das Problem laut Fabian beim Putten. Hier beobachtet er häufig Bewegungen im Probeschwung, die in Größe und Dosierung überhaupt nicht zum tatsächlich benötigten Putt passen – mit noch geringerem Nutzen als im langen Spiel. Ähnliches gilt für das kurze Spiel: Auch hier passen Probeschwünge häufig weder in Umfang noch Dosierung zur eigentlichen Spielsituation.
Was stattdessen sinnvoller ist
Fabians Empfehlung: die Zeit und Energie, die sonst in den Probeschwung fließt, komplett in die Vorbereitung des Schlages investieren. Konkret bedeutet das:
- Die Balllage genau analysieren
- Die strategische Situation klären
- Den Schlag visualisieren
- Sich bewusst machen, wohin der Ball fliegen soll
Diese Form der Vorbereitung baut aus seiner Sicht echte Klarheit und Sicherheit auf – im Gegensatz zum Probeschwung, der laut seiner Erfahrung eher Unsicherheit erzeugt.
Fabians eigene Routine
Fabian beschreibt, dass er selbst inzwischen höchstens noch einen minimalen „Waggle" macht – eine ganz kleine Handgelenksbewegung, um lockerer zu werden. Selbst diese Mini-Bewegung versucht er zunehmend wegzulassen, da sie aus seiner Sicht überflüssige Energie kostet, auch wenn der Effekt gering ist.
Wichtig ist ihm dabei eine klare Abgrenzung: Probeschwünge hätten weiterhin ihren Platz im Techniktraining auf der Range – nur nicht auf dem Platz oder in Turniersituationen.
Zusammenfassung: Die wichtigsten Fragen zum Thema Probeschwung
Brauche ich vor jedem Schlag auf dem Golfplatz einen Probeschwung?
Nach Fabians Erfahrung nicht. Ein Probeschwung bildet selten ab, was am eigentlichen Ball passiert, und kann sogar zusätzliche Unsicherheit erzeugen – egal ob er sich gut oder schlecht angefühlt hat.
Warum macht ein Probeschwung auf dem Platz laut Fabian keinen Sinn?
Weil beim Probeschwung und beim tatsächlichen Schlag zwei unterschiedliche Ziele konkurrieren: eine schöne Bewegung versus das tatsächliche Treffen des Balls. Diese beiden Systeme lassen sich am Platz kaum miteinander vereinbaren.
Was sollte ich stattdessen vor einem Schlag tun?
Statt eines Probeschwungs empfiehlt Fabian, die Energie in die konkrete Schlagvorbereitung zu stecken: Balllage analysieren, strategische Situation klären und den Schlag visualisieren. Das schafft mehr Klarheit und Sicherheit als ein Probeschwung.
Gilt das auch für Putten und kurzes Spiel?
Ja, hier hält Fabian Probeschwünge für noch kontraproduktiver, da die Bewegungen im Probeschwung oft überhaupt nicht zur Größe und Dosierung des tatsächlich nötigen Putts oder Chips passen.

