Du möchtest den Winter nutzen, um dein Golfspiel weiterzuentwickeln. Also gehst du regelmäßig auf die Range, schlägst Wedges, Eisen und Driver und arbeitest vielleicht sogar an deinem Schwung. Doch führt das automatisch zu Fortschritt? Entscheidend ist nicht nur, dass du trainierst, sondern was du dort eigentlich trainierst – und woran du erkennst, ob es funktioniert.
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Du möchtest nach einem klaren Trainingsplan trainieren?
Training braucht ein konkretes Ziel
Wenn du nach der Saison weitertrainierst, ist das zunächst einmal genau richtig. Aber einfach genauso weiterzumachen wie im Sommer, bringt dir nicht automatisch den Fortschritt, der in den kommenden Monaten möglich wäre.
Bevor du mit einer Trainingseinheit beginnst, solltest du deshalb wissen, welcher Bereich deines Spiels besser werden soll.
Das können ganz unterschiedliche Themen sein:
- den Driver kontrollierter ins Spiel bringen
- Wedge-Distanzen besser kontrollieren
- rund ums Grün sicherer werden
- konstanter putten
- einen bestimmten Ballflug entwickeln
- den Treffmoment verbessern
- ein technisches Thema im Schwung verändern
„Heute trainiere ich Driver“ ist noch kein konkretes Trainingsziel.
Was möchtest du mit dem Driver verbessern? Willst du häufiger einen bestimmten Zielkorridor treffen? Geht es um einen stabileren Treffmoment? Möchtest du einen bestimmten Ballflug entwickeln oder unter wechselnden Bedingungen sicherer werden?
Dasselbe gilt für das kurze Spiel. „Ich chippe jetzt 30 Minuten“ beschreibt lediglich, was du tust.
Die viel wichtigere Frage lautet: Was möchtest du nach diesen 30 Minuten besser können als vorher?
Der Unterschied zwischen Training und Pseudotraining
Es gibt eine Form des Golftrainings, die sich produktiv anfühlt, aber häufig wenig verändert.
Du gehst auf die Range, holst einen Eimer Bälle, schlägst ein paar Wedges, danach einige Eisen und zum Abschluss noch ein paar Driver. Anschließend gehst du zufrieden nach Hause.
Das kann Spaß machen. Es kann dir auch dabei helfen, dein Gefühl für den Golfschläger zu behalten.
Wenn du im Winter aber gezielt etwas entwickeln möchtest, reicht das nicht.
Ich nenne das gerne „Pseudotraining“.
Wirkliches Training braucht dagegen einen klaren Zweck. Du solltest drei Fragen beantworten können:
- Was soll durch diese Übung besser werden?
- Wie regelmäßig muss ich daran arbeiten?
- Woran erkenne ich, ob ich mich tatsächlich verbessere?
Nehmen wir an, du möchtest mit dem Driver präziser werden. Dann brauchst du ein Kriterium, anhand dessen du Präzision messen kannst.
Du könntest beispielsweise einen Zielkorridor definieren und zehn Drives schlagen. Danach hältst du fest, wie viele Bälle innerhalb dieses Korridors gelandet sind.
Wiederholst du denselben Test ein oder zwei Wochen später, kannst du vergleichen.
Dasselbe Prinzip funktioniert bei Wedges, beim Putten und im kurzen Spiel. Du kannst Distanzen messen, Trefferquoten dokumentieren oder bestimmte Spielsituationen regelmäßig wiederholen.
Du brauchst einen Ausgangspunkt und eine Form von Rückmeldung.
Sonst weißt du am Ende lediglich, dass du trainiert hast – aber nicht, ob du besser geworden bist.
Verändere deinen Schwung nicht auf eigene Faust an fünf Stellen gleichzeitig
Der Winter eignet sich sehr gut, um technische Themen anzugehen. Gleichzeitig lauert genau hier eine der größten Fallen.
Du filmst deinen Schwung und entdeckst etwas, das dir nicht gefällt. Vielleicht sieht dein linker Arm komisch aus. Anschließend schaust du ein Video über die Hüftdrehung. Auf der Range gibt dir noch jemand den Tipp, stärker von innen an den Ball zu kommen.
Plötzlich hast du vier Baustellen.
Das Problem ist nicht einmal, dass diese Beobachtungen zwangsläufig falsch sind.
Die entscheidende Frage lautet: Ist das überhaupt dein relevantes Problem?
Nicht alles, was in deinem Golfschwung ungewöhnlich aussieht, muss verändert werden. Manche Bewegungen sind lediglich die Folge einer anderen Ursache. Andere entsprechen vielleicht nicht dem Idealbild eines Lehrbuchschwungs, funktionieren für dich aber trotzdem.
Wenn du gleichzeitig an mehreren Stellen Veränderungen vornimmst, verlierst du schnell den Überblick darüber, welche Veränderung welche Wirkung verursacht.
Deshalb solltest du bei technischen Themen zwei Dinge genau wissen:
- Woran möchtest du gezielt arbeiten?
- Was lässt du ganz bewusst in Ruhe?
Ein besserer Golfschwung muss nicht schöner aussehen. Er muss dir dabei helfen, besser Golf zu spielen.
Eine Schwungveränderung darf sich zunächst falsch anfühlen
Der Begriff „Schwungumstellung“ klingt schnell nach einem kompletten Umbau.
Das muss überhaupt nicht sein.
Manchmal liegt eine sinnvolle technische Veränderung im Setup oder in der Ballposition. Vielleicht geht es um deinen Rhythmus oder deinen Treffmoment. In anderen Fällen muss tatsächlich ein größeres Bewegungsmuster verändert werden.
Entscheidend ist, gezielt vorzugehen und deinen Schwung Schritt für Schritt stabiler zu machen.
Der Winter bietet dafür einen großen Vorteil: Die Veränderung muss nicht zwei Tage später im nächsten Turnier funktionieren.
Wenn du eine Bewegung über Jahre oder sogar Jahrzehnte auf eine bestimmte Weise ausgeführt hast, kennt dein Körper genau diesen Ablauf. Veränderst du daran etwas, muss sich die neue Bewegung zwangsläufig ungewohnt anfühlen.
Manchmal musst du eine Bewegung im Training sogar bewusst übertreiben.
Das kann sich für dich extrem anfühlen. Auf einer Videoaufnahme stellst du anschließend möglicherweise fest, dass sich die Bewegung objektiv nur minimal verändert hat.
Genau deshalb solltest du ein ungewohntes Gefühl nicht automatisch als Zeichen dafür interpretieren, dass eine Bewegung falsch ist.
Es kann im Gegenteil bedeuten, dass du deine gewohnte Bewegung tatsächlich verlässt.
Warum dein Smartphone beim Techniktraining so wertvoll ist
Gefühl und Realität liegen im Golfschwung häufig weit auseinander.
Deshalb kann dein Smartphone im Winter ein sehr hilfreiches Trainingswerkzeug sein. Damit ist ausdrücklich nicht gemeint, dass du nach jedem Schlag deinen Schwung analysieren und ständig nach neuen Fehlern suchen sollst.
Video wird dann wertvoll, wenn du bereits weißt, woran du arbeitest.
Dann kannst du überprüfen: Kommt die Bewegung, die ich gerade trainiere, tatsächlich in meinem Schwung an?
Vielleicht hast du das Gefühl, eine Veränderung extrem ausgeführt zu haben. Im Video erkennst du jedoch, dass sich nur wenig verändert hat. Oder du siehst, dass du genau auf dem richtigen Weg bist.
Auch in unserem Coaching nutzen wir Video deshalb als wichtiges Feedbackinstrument. Unsere Teilnehmer schicken Aufnahmen, anhand derer wir überprüfen können, ob sich eine Bewegung in die gewünschte Richtung entwickelt oder ob sich alte Muster wieder einschleichen.
Gerade über mehrere Wochen entsteht dadurch ein wesentlich objektiveres Bild deiner Entwicklung.
Trainiere nicht den Drill – trainiere dein Golfspiel
Auch bei technischen Übungen gibt es eine typische Falle.
Angenommen, du bekommst einen Drill für eine bestimmte Schwungveränderung. Du machst 15 oder 20 Wiederholungen und wirst immer besser darin.
Das ist zunächst gut.
Aber die Übung selbst ist nicht das Ziel. Sie soll dir dabei helfen, eine Bewegung zu lernen, die anschließend in deinem normalen Golfschlag auftaucht.
Deshalb solltest du immer wieder zwischen Drill und freiem Schlag wechseln:
- Führe den Drill mehrfach aus.
- Entwickle ein Gefühl für die gewünschte Bewegung.
- Nimm das Hilfsmittel weg.
- Schlage einige normale Bälle.
- Prüfe, ob die Bewegung weiterhin vorhanden ist.
Sonst kann es passieren, dass du nach einigen Wochen einen Drill perfekt beherrschst, während sich dein normaler Golfschwung kaum verändert hat.
Die Übung ist nur das Werkzeug.
Das eigentliche Ziel bleibt dein Golfspiel.
Regelmäßige Wiederholung schlägt die eine große Trainingseinheit
Qualität allein reicht nicht. Du brauchst auch Wiederholungen.
Egal, ob du an deinem Driver, deinen Wedge-Distanzen, deinem kurzen Spiel oder einem technischen Thema arbeitest: Eine einzelne Einheit wird selten ausreichen, um eine Fähigkeit dauerhaft zu verändern.
Genau darin liegt eine der großen Chancen des Winters.
Du kannst heute an einem Thema arbeiten, einige Tage später wieder und in der folgenden Woche erneut. Nach zwei oder drei Wochen überprüfst du, was sich verändert hat.
Das ist etwas völlig anderes, als einmal 150 Bälle möglichst schnell hintereinander zu schlagen und anschließend zu hoffen, dass das Problem erledigt ist.
Bewegungen und Fähigkeiten brauchen regelmäßige Wiederholung, damit sie stabiler werden.
Du musst deshalb nicht in jeder einzelnen Einheit einen riesigen Fortschritt erkennen. Über mehrere Wochen sollte jedoch sichtbar werden, dass sich etwas entwickelt.
Und genau daraus entsteht auch Selbstvertrauen: Du hoffst nicht nur, dass du besser geworden bist. Du kannst es anhand deines Trainings nachvollziehen.
Bring den Golfplatz zurück in dein Training
Wenn du immer mit demselben Eisen von derselben Matte auf dasselbe Ziel schlägst, wirst du darin wahrscheinlich irgendwann ziemlich gut.
Das Problem: So sieht Golf auf dem Platz nicht aus.
Dort wechselst du ständig zwischen Schlägern und Situationen. Du hast unterschiedliche Ziele, Lagen, Untergründe und Ausrichtungen. Zwischen den Schlägen vergeht Zeit. Und natürlich kommen noch deine Gedanken dazu.
Sobald eine Bewegung oder Fähigkeit im Training stabiler geworden ist, solltest du deshalb mehr Variabilität einbauen.
Zum Beispiel:
- verschiedene Schläger verwenden
- unterschiedliche Ziele anspielen
- Flugkurven variieren
- Distanzen wechseln
- verschiedene Spielsituationen simulieren
- zwischen den Schlägen die komplette Routine durchführen
Gerade beim Training von Matten ist das wichtig. Die Matte verleitet dazu, sich immer gleich auszurichten und Ball für Ball aus derselben Position zu schlagen.
Der Schritt von „Ich kann diese Bewegung auf der Range“ zu „Ich kann sie auf dem Golfplatz abrufen“ gehört deshalb bereits zum Training.
Ein guter Blick von außen spart dir Zeit
Gerade bei technischen Veränderungen ist regelmäßiges Feedback enorm wertvoll.
Das Schwierige ist häufig gar nicht, auf einem Video irgendeinen ungewöhnlichen Teil deines Schwungs zu entdecken. Das Schwierige ist zu beurteilen, welcher davon für dein Golfspiel überhaupt relevant ist.
Und vor allem: Woran solltest du zuerst arbeiten?
Dabei kann dir ein guter Coach helfen.
Gutes Coaching bedeutet nicht nur, dir zu sagen, was du verändern sollst. Es bedeutet genauso, festzulegen, welche Dinge du bewusst nicht veränderst.
Du brauchst dafür nicht bei jeder Trainingseinheit einen Trainer neben dir.
Aber gerade über mehrere Wochen solltest du regelmäßig überprüfen:
- Arbeite ich noch am richtigen Thema?
- Entwickelt sich meine Bewegung in die gewünschte Richtung?
- Habe ich mein ursprüngliches Ziel bereits erreicht?
- Muss die Übung angepasst werden?
- Ist jetzt der richtige Zeitpunkt für den nächsten Schritt?
Damit verhinderst du vor allem eines: vier Wochen lang sehr fleißig in die falsche Richtung zu trainieren.
Auch mehr Schlaglänge beginnt nicht immer mit mehr Geschwindigkeit
Ein beliebtes Winterthema ist mehr Schlaglänge.
Viele Golfer denken dabei sofort: Ich muss schneller schwingen.
Natürlich spielen Kraft und Geschwindigkeit eine Rolle. Bevor du aber ausschließlich versuchst, mehr Schlägerkopfgeschwindigkeit zu erzeugen, lohnt sich ein Blick auf deinen Treffmoment.
Wenn du den Ball sauberer und zentrierter triffst, kannst du deine bereits vorhandene Geschwindigkeit effizienter nutzen.
Deshalb können für mehr Länge ganz unterschiedliche Themen relevant sein:
- Treffmoment
- Rhythmus
- Stabilität
- Beweglichkeit
- Kraft
- Schnellkraft
- Schwunggeschwindigkeit
Auch hier gilt also: Erst herausfinden, was dein konkretes Thema ist – und anschließend gezielt daran arbeiten.
So wird aus Wintertraining echte Entwicklung
Wenn du nach der Saison regelmäßig auf die Range gehst, hast du bereits eine wichtige Voraussetzung geschaffen.
Jetzt kommt es darauf an, diese Zeit sinnvoll zu nutzen.
Mach dir vor deinem Training klar, welche Fähigkeit du entwickeln möchtest. Wähle Übungen, die genau auf dieses Ziel einzahlen, und definiere Kriterien, anhand derer du Fortschritt erkennen kannst.
Wenn du technisch arbeitest, verändere nicht fünf Dinge gleichzeitig. Nutze Video und Feedback, um Gefühl und Realität miteinander abzugleichen.
Wiederhole deine Übungen regelmäßig. Überprüfe anschließend, ob die neue Fähigkeit auch ohne Drill und unter wechselnden Bedingungen funktioniert.
Denn du trainierst nicht dafür, auf der Range besonders gut auszusehen.
Du trainierst dafür, im Frühjahr besser Golf zu spielen.
Alle Inhalte der Winterserie, weitere Informationen zum Wintertraining und die Vorlage für deine Saisonanalyse findest du außerdem im Winterhandbuch für Golfer.
[LINK: Winterhandbuch für Golfer]
Häufige Fragen zum Golftraining im Winter
Wie trainiere ich Golf im Winter richtig?
Definiere vor jeder Trainingsphase, welche konkrete Fähigkeit du verbessern möchtest, und wähle Übungen mit messbaren Erfolgskriterien. Wiederhole diese regelmäßig und überprüfe deine Entwicklung über mehrere Wochen. Sobald eine Fähigkeit stabiler wird, solltest du unterschiedliche Schläger, Ziele und Spielsituationen in dein Training einbauen.
Wie trainiere ich eine Schwungänderung im Winter?
Arbeite möglichst nur an klar definierten technischen Themen und verändere nicht mehrere Bewegungen gleichzeitig. Nutze Video und regelmäßiges Feedback, um zu überprüfen, ob deine Veränderung tatsächlich sichtbar wird. Wechsle außerdem zwischen technischen Drills und normalen Schlägen, damit sich die Bewegung in deinen Golfschwung überträgt.
Warum funktioniert mein Range-Training nicht auf dem Golfplatz?
Auf der Range werden häufig viele Bälle mit demselben Schläger auf dasselbe Ziel geschlagen. Auf dem Platz verändern sich dagegen Schläger, Ziel, Lage und Situation ständig. Sobald deine Technik stabil ist, solltest du deshalb mehr Variabilität und möglichst realistische Spielsituationen in dein Training einbauen.

